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Jubilar mit bemerkenswerten Querverbindungen (Maximilian Kunz, 20.04.2011)

 

Franz Liszt, der Komponist und Ausnahmekünstler, wäre heuer zweihundert Jahre alt geworden. In zahlreichen Veranstaltungen und Festivals, geschmückt mit vielen Highlights, gedenkt man im Franz-Liszt-Jahr vielerorts einem der ganz Großen seiner Zeit. Mindestens ebenso interessant wie seine künstlerische Hinterlassenschaft waren seine privaten Querverbindungen, die von schillernden Namen und geschichtsträchtigen Ereignissen geprägt sind und das gesellschaftliche Leben der Zeit auf unverkennbare Weise widerspiegeln.

 

Am 22. Oktober 2011 jährt sich erneut der Geburtstag des berühmten Pianisten, Dirigenten und Klaviervirtuosen - und dann sind es genau 200 Jahre, die seit seiner Geburt im Oktober 1811 in der Region um das heutige Burgenland, seinerzeit Kronland des Kaisertums Österreich, vergangen sind. Wegbereiter und Pioniere, wie Franz Liszt zweifelsfrei einer gewesen ist, vergisst man nicht; war er es doch, der sich im Alter von sieben Jahren das Notenschreiben selbst beibrachte, von Antonio Salieri unterrichtet wurde und als Wunderkind am Klavier Geschichte schrieb. Wie lebendig und omnipräsent sein Schaffen heute noch ist, zeigt die Vielzahl an Veranstaltungen und Festivals, die hierzulande heuer zu seinen Ehren stattfinden.

 

So wird etwa unter dem Titel „Lisztomania“ eine Sammlung an Konzerten, themenbezogenen Vorträgen und Ausstellungen im Burgenland zusammengefasst. Auch das im Herzen von Wien gelegene Schottenstift erweist dem Virtuosen mit dem „Franz-Liszt-Jahr im Schottenstift“ und den vielen Höhepunkten im heurigen Jahr, etwa einer Feier mit Führung durch seine Wohnung am Hof und anschließendem Abschlusskonzert an seinem Geburtstag, alle Ehre. Das wohl bedeutendste Ereignis ist aber das Liszt-Festival in Raiding, seinem Geburtsort. Dort wird den Verehrern des Künstlers ein umfassendes Konzertprogramm, das mit verschiedenen Zyklen einzelne Schwerpunkte setzt, geboten. Neben einem Klavierzyklus, einem Orchesterzyklus und einem Lied- und Vokalzyklus werden sich auch unterschiedliche Improvisationen auf schöpferisch-innovative Art mit seinem künstlerischen Werk beschäftigen und der Besucher hat die einmalige Möglichkeit hochkarätige Konzerte im neuen Konzertsaal, direkt neben dem Liszt-Geburtshaus und mit den weltbesten Interpreten, zu erleben.

 

Franz Liszt, dessen ungarischer Vater Gutsverwalter beim Fürsten Esterhazy war, hinterlässt eine vielseitige Sammlung aus Klavierwerken, Liedern, geistlichen und weltlichen Chorwerken, Orchesterwerken, Orgelwerken sowie einer Oper („Don Sanche ou le Chateau d'amour“), die er im frühen Alter von nur dreizehn Jahren komponierte und die 1825, er war damals vierzehn, auf der Bühne der Pariser Grand Opera uraufgeführt wurde. Das Gesamtwerk Franz Liszts ist in seinem Umfang und seiner Vielfältigkeit so immens und unvergleichlich, das bis heute keine Gesamtausgabe erschienen ist. Im Zuge seines Schaffens bricht Liszt mit allen Regeln der Klavierspieltechnik seiner Zeit und erfindet etwa die Konzertparaphrasen, unter denen man das Aufgreifen eines oder mehrerer Themen aus bekannten Opern und das anschließende Ausschmücken mit eigenen Kompositionen versteht. Zudem war er, neben Franz Brendel, Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Musikvereins – der ersten Tonkünstlerversammlung im deutschsprachigen Raum.

 

In unserem deutschen Nachbarland gedenkt man heuer übrigens dem 125. Todestag Königs Ludwig II von Bayern, der aus nicht ganz geklärten Umständen zu Tode kam. Weit weniger bekannt ist heute, dass Franz Liszt eine Tochter hatte die zunächst den deutschen Komponisten Hans von Bülow ehelichte. Ludwig II holte Richard Wagner, den er fanatisch verehrte, zu sich nach München um ihn mit großen Geldsummen zu fördern. Nachdem die Ausgaben eskalierten war Ludwig II zunehmendem Unmut der Bevölkerung ausgesetzt. Das hatte zur Folge, dass Richard Wagner München verlassen hat; an seiner Seite war zu diesem Zeitpunkt eine junge Frau namens Cosima, Tochter von Franz Liszt und damalige Ehefrau Hans von Bülows. Aus dieser anfänglichen Affäre wurde letztlich mehr und Cosima heiratete in zweiter Ehe Richard Wagner, der 1876 die Bayreuther Festspiele gründete. Zehn Jahre später, im Jahr 1886, stirbt Ludwig II am Starnberger See. Nahezu zeitgleich findet auch der österreichische Klaviervirtuose Franz Liszt seinen Tod; und zwar während der Festspiele in Bayreuth, die in diesem Jahr erstmals unter der Leitung seiner Tochter Cosima standen.