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200 Jahre Franz Liszt in Raiding (Günther Ziesel, 08.05.2011)

 

Am Fuß von Weinbergen liegt die Marktgemeinde Raiding. 850 Menschen wohnen hier. Kaum jemand würde auf der Landkarte nach diesem Ort suchen, wäre er nicht der Geburtsort eines Musikgenies. Auch heute noch hat sich Raiding den Dorfcharakter bewahrt.

 

Das Geburtshaus von Franz Liszt war einst die Verwalterwohnung des Meierhofs der Fürsten Esterhazy. Vater Adam Liszt war Verwaltungsbeamter und Amateurmusiker am Hof der Esterhazys. Als Franz Liszt geboren wurde, hatte Raiding noch keine eigene Kirche, daher wurde das Kind in der benachbarten Pfarrkirche getauft.

 

Günther Ziesel: „Das ist das Original-Taufbecken, in dem Franz Liszt im Jahr 1811 getauft wurde. Bereits vor der Geburt hat eine Zigeunerin der Mutter von Franz Liszt vorausgesagt, sie werde einen großen Sohn gebären. Das hing auch damit zusammen, dass im Jahr 1811 der Große Komet erschienen ist.“

 

Und die Zigeunerin behielt recht: schon mit neun Jahren galt Franz Liszt nach einigen öffentlichen Konzerten als Wunderkind. Sein Vater ermöglichte ihm Musikunterricht bei Carl Czerny und Antonio Salieri in Wien. Mit 12 Jahren eroberte er die Salons und Adelshäuser in Paris und London und als Klaviervirtuose bereiste er später ganz Europa. Liszt war aber auch ein wesentlicher Erneuerer der Orchestermusik und entwickelte sogar neue Bausysteme für Blasinstrumente.

 

Das Klavier war die wichtigste musikalische Ausdrucksform für Franz Liszt. Der Klangreichtum und die orchestrale Dimension des Instruments faszinierten ihn. Als Pianist begeisterte er sein Publikum so sehr, dass Heinrich Heine 1841 nach Konzerten von Liszt in Berlin, bei denen der Künstler mit wahren Rosenregen überhäuft wurde, bereits den Ausdruck Lisztomanie verwendete.

 

Die beiden Intendanten des Liszt-Festivals, die Brüder Johannes und Eduard Kutrowatz, pflegen das virtuose Schaffen von Franz Liszt. Johannes Kutrowatz, Intendant Liszt-Festival Raiding: „Bartok übrigens bezeichnete Franz Liszt als die Figur, die prägender und einflussreicher für die ganze Musikgeschichte sein wird als Richard Wagner.“

 

Der weltmännische Franz Liszt blieb seinem Heimatdorf Raiding immer verbunden. Johannes Kutrowatz:

„Raiding ist durch Franz Liszt zu einem Begriff in der Musikwelt geworden. Und darüber hinaus ist Franz Liszt eine Marke, eine Weltmarke, die man nicht erfinden muss. Und dieses Lisztjahr 2011, sein 200. Geburtstag, wird sicher dazu beitragen, ihm auch in Zukunft den Platz einzuräumen, der ihm unserer Meinung nach im Konzertleben gebührt.“

 

Das Konzerthaus, das in Raiding im Jahr 2006 erbaut wurde, steht während des ganzen Jahres im Zeichen der Lisztomania, wie das Festival in Anlehnung an die seinerzeitige Wortwahl des Dichters Heinrich Heine genannt wird. Pianisten, wie zum Beispiel Rudolf Buchbinder und natürlich die Brüder Kutrowatz, Dirigenten und Orchester bieten ein umfangreiches Programm, das durch Ausstellungen und Konzerte in der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt ergänzt wird.