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drehpunktkultur


Aus der Fundgrube Symphonischer Dichtungen (Wolfgang Stern, 24.03.2011)

 

„Eigentlich ist es unverständlich, dass diese Orchesterwerke kaum oder gar nicht zu hören sind“, so Eduard Kutrowatz, Leiter des Liszt-Festivals in Raiding. Die Wiener Akademie unter Martin Haselböck hob einige Raritäten.

 

Zur Sonntagsmatinee karrte man internationales Publikum gleich mit fünf Bussen aus Wien an. Die Veranstalter können von meist ausverkauften Konzerten berichten. zu können. Vor den Konzerten kann man noch einen Blick in das idyllische Geburtshaus des Meisters werfen. Geburtshaus und Konzerthaus sind Teil einer umfangreichen gesamtburgenländischen Schau über Franz Liszt und seine Zeit.

 

Es waren wieder Symphonische Dichtungen, die in Fortsetzung zum Jännerblock der auf alten Instrumenten gemäß Weimarer Tradition spielenden Wiener Akademie unter ihrem Leiter Martin Haselböck Gelegenheit gaben, sich auf ein eher unbekanntes Terrain zu wagen. Man hat sich ja bis 2012 eine Aufführung des gesamten Liszt'schen Orchesterwerks vorgenommen.

 

Einer feinsinnig interpretierten Heldenklage (Symphonische Dichtung Nr.8) mit Trauermarsch und Totenklage folgte „Tasso, Lamento e trionfo“. Weimar gab Liszt viele Aufträge, so auch eine Musik für die Einweihung des Goethe-Schiller-Denkmals zu schreiben: „Die Ideale“, Liszts Symphonische Dichtung Nr.12, liegt ein Text von Schiller zugrunde. Haselböck hat auch hier den akustisch hervorragenden Saal für eine beachtenswerte Wiedergabe nützen können. Die Interpretationen sollen in rund zwei Monaten auch auf CD greifbar sein.

 

Ivo Pogorelich ist ein absoluter und auch eigenwilliger Liszt-Kenner. Sein Spiel ist aufrüttelnd, erzeugt Spannung einerseits durch extreme agogische Ansätze, andererseits durch auffallend dynamische Gegensätze. Pogorelich nimmt sich Zeit, lässt teilweise einzelne Töne im Raum stehen, ehe er sich wieder in die technischen Herausforderungen stürzt.

 

Molltonarten füllten den Abend der besonderen Klasse aus. In Chopins Sonate Nr.2 b-moll zeigte Pogorelich Sensibilität und viel Gespür für das Handwerk, dessen Nocturne c-moll ließ im Pianisten viel Leidenschaft hochkommen. Dann natürlich Liszt, der Mephisto-Walzer Nr. 1 und die große Sonate h-moll. Abermals aufregend, virtuos und kompromisslos intensiv wirkte Pogorelich, dabei bedacht auf jedes kleinste Detail.