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kronen zeitung


Eruptionen in Liszts Klangtheater (Oliver A. Láng 01.02.2011)

 

[...] So präsentierte der Dirigent Martin Haselböck 2011 heuer in einer Konzertreihe alle symphonischen Dichtungen Liszts. Im Rahmen einer Sonntagsmatinee standen unter anderem die „Berg-Symphonie“ und „Les Préludes“ auf dem Programm. Das Besondere dabei: Die Wiener Akademie, die das Konzert bestreitet, spielt nicht nur auf historischen Instrumenten des 19. Jahrhunderts, sondern zum Teil sogar auf solchen, die aus der unmittelbaren Umgebung des Komponisten stammen, die er also selbst gehört haben dürfte. Näher kommt man an einen „originalen“ Liszt-Klang wohl nicht heran! [...]

 

Die eher trockene Akustik des Raidinger Konzertsaales verbunden mit dem herben Klang der historischen Instrumente und der Intimität des 600-Personen-Raumes führt zum Erlebnis einer unverstellten Dramatik. Liszt, der bei den gespielten Werken sich bei Pathos, theatralischen und sentimentalen Gefühlseruptionen und griffigen literarisch inspirierten Passagen nicht zurückgehalten hat, wird von Haselböck ungemein explosiv, effektgeladen und wirkungsvoll präsentiert. Pauken und Trompeten scheinen das Klanggeschehen zu beherrschen. Und Glätte in der Tongebung kann man dem mit Liszt versiert umgehenden Ensemble nicht nachsagen: Klanglich rumpelt's zwar mitunter ein wenig, doch bringen diese Unebenheiten Lebendigkeit, Originalität und einen hochpersönlichen Klang ins Spiel. Jedenfalls ein Konzert, das in seiner Farbigkeit und Authentizität beeindruckt.