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Liszt als „Orchidee der Musikkultur“ (28.01.2011)

 

Lisztomania 2011: Das Jubiläumsjahr zu Ehren des Raidinger Virtuosen ist eröffnet. Der erste Superstar der Klassik wird das ganze Jahr gefeiert.

 

Seit Wochen und Monaten warf sein 200. Geburtstag am 22. Oktober einen langen Schatten voraus (siehe auch Seite 32). Gestern, Donnerstag, richtete sich das Scheinwerferlicht sozusagen offiziell auf Franz Liszt: Im Liszt Zentrum Raiding eröffnete Bundespräsident Heinz Fischer die „Lisztomania 2011“.

 

„Ich freue mich über diesen Anlass, wieder ins Burgenland zu kommen, das ich sehr, sehr schätze“, so das Staatsoberhaupt, das den Ehrenschutz über das Jubiläumsjahr inne hat. Man könne „dem Burgenland nur gratulieren, dieses Ereignis so korrekt und authentisch wahrzunehmen und diesem großartigen Menschen und Komponisten Respekt zu zollen“. In der Art, wie er gelebt und sich in Europa bewegt habe, sei Liszt „transnational“ gewesen, sagte Fischer. Er gehöre nicht einer Nation, „Liszt gehört der Kulturwelt, Liszt gehört uns allen“.

 

Apropos Respekt zollen: Dies soll das ganze Jahr hindurch einerseits im Zuge von zahlreichen Konzerten, andererseits durch acht Ausstellungen geschehen, die „die emotionale Kraft des Giganten Franz Liszt aufgreifen“, erklärte Kulturlandesrat Helmut Bieler bei der Begrüßung der Gäste.

 

Und die Gäste aus Kultur, Klerus und Politik erschienen zahlreich zum Auftakt im Raidinger Konzertsaal. Die Landesregierung war durch Landeshauptmann Hans Niessl und seinen Vize Franz Steindl vertreten. Von Seiten der Bundesregierung fanden sich Verteidigungsminister Norbert Darabos sowie Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka im Geburtsort des Virtuosen ein, wie auch Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics, Alt-Bischof Paul Iby, Superintendent Manfred Koch und Festredner Erhard Busek , der Liszt mit launigen Worten in seiner Rolle als Europäer beleuchtete. Lobende Worte fand ORF-Lady Barbara Rett, die durch den Festakt führte, zum Konzertsaal: „Toll, was euch da geglückt ist.“

 

Mit „ihr seid ein Glücksfall für das Festival, das Liszt-Jahr, für das Burgenland und für Österreich“ streute die Moderatorin den Gebrüdern Johannes und Eduard Kutrowatz Rosen. Auf große Reden verzichteten die Intendanten und gaben stattdessen an den Klaviertasten „Lisztiges“ zum Besten. Etwa die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 spielten die Brüder „zu vier Händen, man könnte aber glauben, ihr habt mehr“, zeigte sich Rett begeistert. Nach Liszt- Noten spielten zudem „Die Tanzgeiger“ auf.

 

Auf die Spur nach seinen „Wurzeln und Flügeln“ begab sich die Weimarer Kunstfest-Chefin Nike Wagner , die Ururenkelin von Franz Liszt. Dieser schien für Wagner nur Flügel und einer Orchidee gleich Luftwurzeln zu besitzen. So konnte sich ihr Ururgroßvater „zu der ungewöhnlichsten Orchidee unserer abendländischen Musikkultur entwickeln“.

 

Eine Rarität ist das Genie auf Papier: Ab 29. Jänner erscheint eine limitierte Liszt-Sonderbriefmarke.