english | deutsch





 



 

oö nachrichten


Liszt Festival: Wissenschaft mit wenig Musik (Michael Wruss, 22.03.2011)


Liszt Festival Raiding: Konzert der Wiener Akademie, Martin Haselböck, 20. März

 

Den Schlusspunkt des Frühjahrs-Liszt Festivals im burgenländischen Raiding machte die Wiener Akademie unter Martin Haselböck, der sein Projekt fortsetzte, alle Orchesterwerke Liszts aufzuführen und dabei auch auf CD zu verewigen. Eine interessante Sache, zumal die Wiener Akademie auf historischen Instrumenten musizierte und auch der Konzertsaal von der Größe ungefähr jenen Weimarer Örtlichkeiten entspricht, für die Liszt seine symphonischen Dichtungen konzipierte. Beim Instrumentarium gelang es sogar, „Tonwerkzeuge“ zum Klingen zu bringen, die möglicherweise unter Liszts Leitung in Weimar und Wien gespielt wurden.

 

Auch die Orchesterbalance entsprach den damaligen Verhältnissen, sodass einer relativ großen Bläserbesetzung ein doch kleines Streichorchester mit „nur“ neun ersten Geigen gegenüberstand. Für heutige Verhältnisse ungewöhnlich, dennoch ermöglichte diese Besetzung die klare Durchhörbarkeit der Holzbläser und das Wahrnehmen der bisweilen feinen instrumentatorischen Details.

 

So weit, so gut. Aber was nutzt die Wissenschaft, wenn offensichtlich die in diesem Konzert präsentierten Raritäten zu wenig geprobt waren und es in fast allen Gruppen zu mehr oder weniger dramatischen Szenen kam? Das tat bei den Stücken nicht gut. Standen doch mit „Héroide Funèbre“, „Tasso. Lamento e trionfo“ und „Die Ideale“ nicht gerade die bekanntesten unter Liszts sinfonischen Dichtungen auf dem Programm.

Es ist doppelt schade, wenn ein so ehrgeiziges Projekt an musikalischen Grundlagen scheitert, und wenn Stücke, die durchaus Qualitäten haben und nicht bloß orchestrale Schaustücke sein wollen, dadurch ihren Reiz verlieren und in der geballten Zusammenstellung eher nerven als begeistern. Liszts Musik hilft man damit nicht aus ihrem zweifelhaften Image.