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Mit ganzem Liszt durchs halbe Land (Wolfgang Weisgram, 18.03.2011)

 

Das Burgenland feiert heuer Franz Liszt. Und sich selbst als jenen Landstrich, in dem aus einem Raidinger Buben ein ziemlicher cooler Hund wurde der nicht bloß dem John Lennon ein Vorbild war

 

Eisenstadt – Vor zwei Jahren, im großen Haydn-Jahr, haben die burgenländischen Ausstellungsmacher ein reizvolles Präsentationskonzept entwickelt: verschiedenste Aspekte des großen Musikanten wurden auf unterschiedlichsten Schauplätzen präsentiert, der Ausstellungsbesuch wurde so auch zum Spaziergang, zum kulturellen Schlendern.

 

„Das haben wir“, sagt Wolfgang Kuzmits, dessen Team auch für die heurigen Ausstellungen zum Liszt-Jahr verantwortlich war, „nun ausgeweitet“. Vom mittelburgenländischen Raiding – wo Franz Liszt am 22. Oktober 1811 zur Welt gekommen ist – geht die Reise übers benachbarte Unterfrauenhaid, wo Liszt getauft wurde, Neutal, wo ab Mai im Museum für Baukultur ans Freimaurerische des Musikers erinnert wird, bis nach Eisenstadt.

 

An einem Tag wären die insgesamt sieben Schauplätz nur in unbequemer Eile zu durchstreifen. Kuzmits empfiehlt deshalb, sich ein wenig Zeit dafür zu nehmen. Das mag schnöd touristisch gemeint sein. Andererseits aber nicht ganz unlisztisch: „Das eine oder andere Achterl sollte da nämlich schon auch noch drinnen sein.“

 

Zumal die Idee der Präsentation im Thema selbst wurzelt. Liszt war ja einer der großen vazierenden Musikanten des 19. Jahrhunderts, der Europa durcheilte, wie anderthalb Jahrhunderte später die Stones oder die Beatles, worauf das Eisenstädter Landesmuseum ausdrücklich hinweist.

 

So wie diese war auch Liszt ein vorzüglicher Womanizer, der die Europäerinnen fast schon gewohnheitsmäßig in himmlische Ohnmacht fallen ließ. Das hinderte ihn freilich nicht, später als Abbé des Franziskanerordens auch dem Papst die Ehre zu geben, woran das Eisenstädter Diözesanmuseum erinnert. Ganz in der Nähe, im Wohnhaus des Joseph Haydn, beschäftigt sich eine Schau mit Liszts großfürstlicher Hofkapellmeisterei, mit der er das nachgoethische Weimar zu einer letzten kulturellen Blüte führte.

 

Liszt, der zwei Jahre nach Haydns Tod zur Welt kam, war der moderneren Zeit schon so nahe, dass man ihn noch heute als einen coolen Hund bezeichnen könnte. Von Liszt gibt es auch schon Fotografien, einer aus dem Jahr 1858 haben sie eine Sonnenbrille aufgesetzt, auf dass die Lisztomania auch ein ordentliches Logo habe.

 

Die Reise mit und zu Franz Liszt sollte, meint Wolfgang Kuzmits, jedenfalls in Raiding beginnen, wo der Bub zum Wunderkind heranwuchs. Aber wie bei jeder Reise, sollte man nicht bloß den Augen trauen. Sondern, so Kuzmits, vor allem die Ohren aufsperren an den verschiedenen Konzertorten. Die seien ja das eigentliche Tor zu Franz Liszt, dem coolen Hund.