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Würdiges Liszt-Geburtstagskonzert mit Volodos (23.10.2011)

Franz Liszts Geburtstag hat sich am Samstag zum 200. Mal gejährt. Mit einem Recital im Rahmen des Liszt-Festivals im Geburtsort des Komponisten, Raiding im Burgenland, wurde der Geburtstag würdig zelebriert, mit der Sonate in h-Moll vielleicht Liszts gewichtigster Beitrag für die Musikgeschichte dargebracht. Pianist Arcadi Volodos hinterließ ein verzücktes Publikum.

Raiding hat sich alle Mühe gegeben, seinen Sohn schon seit Jahresbeginn ausgiebig zu feiern. Am Wochenende steuerte der gemütliche Ort schließlich auf den Höhepunkt des Liszt-Jahres zu: Bereits am Freitag wurde ein „Vorglüh'n“ mit kulinarischen Schmankerln veranstaltet, der Männergesangsverein sang zu Schlag Mitternacht ein Ständchen.

Trotz der vielen Programmpunkte zuvor drohte Volodos in keiner Sekunde mit seiner Darbietung unterzugehen. Der russische Pianist – einst zum legitimen Nachfolger von Vladimir Horowitz reduziert – hat bereits ein vielgerühmtes Album mit Werken des Jubilars eingespielt. Mit seiner Darbietung der h-Moll-Sonate in Raiding brach er mit Hörgewohnheiten und stellte seine Virtuosität in den Dienst der musikalischen Sache.

Volodos hat vor allem eines: Ton. Was er aus dem Flügel herausholt, hallt auch noch viele Sekunden nach Absetzen der Finger im Raum. Trotzdem ist er alles andere als ein Krachmacher (wozu die h-Moll-Sonate durchaus verleitet). Volodos spielt artikuliert, intim und verzichtet auf Bombast. Oft scheint es, als ob er das Stück im Moment neu arrangiert. Struktur statt Effekt, lautet sein Ansatz, die Komposition bleibt Hauptakteur.

Nicht nur die h-Moll-Sonate geriet zum Triumph. Volodos hatte zuvor auch noch bei Franz Schuberts Sonate in a-Moll aufgeräumt. Mit Beethoven'scher Stoik feierte er das Hauptthema im ersten Satz, das abschließende Allegro vivace geriet hingegen nachdenklich. Und mit Johannes Brahms' Drei Intermezzi entließ er das Publikum wehmütig in die Pause.

Dass Volodos nach der zweiten Hälfte mit Liszt ausgiebig gefeiert wurde, war abzusehen. Dieser lieferte gleich fünf Zugaben und wurde dafür nochmals mit stehenden Ovationen belohnt.